Archiv

Beiträge mit dem Schlagwort ‘Dysphagie’

Dysphagiemanagement: Zeitverschwendung oder Notwendigkeit?

Liebe Leserinnen und Leser,

Dysphagie: 45% aller Deutschen, die älter als 75 Jahre sind, leiden mehr oder minder schwer an einer Schluckstörung, wobei sich unterschiedliche Krankheitsbilder, wie z.B. die Amyotrophe Lateralsklerose, die Multiple Sklerose, zerebrale Ischämien oder auch tumeröse Prozesse, aufgrund der in diesem Alter oftmals bestehenden Multimorbidität gegenseitig negativ beeinflussen.

Betrachtet man nun die Klientel auf einer Intensivstation, im normalstationären Bereich oder in der ambulanten Pflege, so wird schnell klar, dass die Dysphagie ein  allgegenwärtiges Problem in unserem Pflegealltag darstellt und somit einen höheren Stellenwert in unserem Bewusstsein einnehmen muss.

Auch ein Blick auf den demographischen Wandel unserer Gesellschaft mit zunehmender Überalterung zeigt auf, dass wir uns in Zukunft vermehrt mit diesem Thema auseinander setzen müssen.

Nicht zuletzt bedeutet eine bestehende Dysphagie einen massiven Eingriff in das alltägliche Leben des Betroffenen. Lebensqualität geht mit fehlender bzw. reduzierter oraler Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verloren – so kann sich die Dysphagie aufgrund Gewichtsverlust und Dehydratation gesundheitlich negativ auswirken und in besonders schweren Fällen aufgrund von Aspiration bis hin zum Tod führen.

Gerne möchte ich Ihnen, werte Leserinnen und Leser, einen kurzen Ausschnitt zum Thema Dysphagie präsentieren, der zeigt, dass ein gezieltes Dysphagiemanagement meines Erachtens eine unbedingte Notwendigkeit darstellt.

So finde ich es nicht zu unterschätzen, das bei Trachealkanülenträgern die Auftretensrate von Aspirationen bei 50 – 87 % liegt (Pannunzio et al., 1996). Deshalb sollte jeder Patient mit einer Tracheotomie aufgrund des hohen in der Literatur angegebenen Aspirationsrisikos vor einer Oralisierung ausführlich untersucht werden (Meyers et al., 1995).

Diagnostische Möglichkeiten wie z.B. die Videofluoroskopie (“Röntgenschluck”), die EMG (“Oberflächenelektromyographie – Visualisierung des Schluckens”) oder die FEES (“fiberendoskopische Evaluation des Schluckens”), gepaart mit der engen interdisziplinären Zusammenarbeit einer logopädischen Expertise müssen, wenn noch nicht geschehen, weiter in den inner- und außerklinischen Bereich integriert und vorangetrieben werden.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass es an uns liegt, veraltete Pflegerituale abzubauen um so aktiv am Prozess des evaluierten Dysphagiemanagements teilzunehmen . . . welches zu meiner persönlichen Freude an immer mehr Kliniken anzutreffen ist.

Ihr Markus Rother